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Was ist Terpentinöl?

Terpentinöl ist ein flüssiges, etwas gelbliches, brennbares, recht flüchtiges Naturprodukt mit charakteristischem Geruch. Es besteht zu 70 % aus alpha-Pinen und zu 30% aus beta-Pinen. Pinen sind bestimmte ungesättigte (Monoterpe) Kohlenwasserstoffe, die sich in verschiedenen anderen ätherischen Ölen finden, die heute künstlich hergestellt werden können.

Ursprung

Rohterpentin (auch Balsam genannt) gewinnt man überwiegend durch tiefes, keilförmiges Einritzen der Rinde von Nadelbäumen: Fichten, Tannen, Lärchen und Kiefern. Vom Frühjahr bis zum Herbst wird der Saft des Baumes geerntet. In einem mehrfachen Destillationsprozeß (Rektifizierung) entsteht das flüssige Terpentinöl zu etwa 30%. Der mengenmäßig größere Anteil am Balsam, das eigentliche Harz, ist das wasserunlösliche, hellbraune Kolophonium in fester, spröder Konsistenz. Dessen bekannteste Verwendung ist die zum Weichlöten in der Elektrotechnik und Elektronik, aber auch als klebriger Leimring zur Ungezieferbekämpfung bei Obstbäumen oder zur Erhöhung der Reibung des Bogens bei Streichinstrumenten.
Terpentinöl macht Harz geschmeidiger und ist eine Komponente in Siegellack, Firnis, und Kitt.

Terpentinöl entsteht durch mehrfache Destillation des Baumsaftes.

Terpentinöl entsteht durch mehrfache Destillation des Baumsaftes.

Mit ätherischen Harzen und Terpentinöl wurden bereits die Mumien der alten Ägypter einbalsamiert. Im Mittelalter verschrieben es die Ärzte als Heilmittel gegen Frostbeulen und Bandwürmer.

Vielseitige Verwendung

Lange Zeit diente Terpentinöl als Bindemittel zur Herstellung von Farben und Lacken. Als Beimengung ist es in Bohnerwachs und hochwertiger Schuhcreme immer noch enthalten. Viele Harze werden von Terpentinöl gelöst, auch Schwefel, Phosphor und Naturkautschuk. Möglichst frisches, mehrfach destilliertes (rektifiziertes) Terpentinöl benötigen Restauratoren und Kunstmaler für Ölgemälde, um optimale Trocknung und Schutz vor Vergilbungen und Trübungen zu erreichen. Hier ist die korrekte Lagerung von Bedeutung, da es rasch durch Sauerstoff und dem Einfluss von Licht verdirbt. Hausfrauen schätzen die Substanz als Fettfleck-Killer. Natürliches Terpentinöl wird in speziellen Zubereitungen in der Heilkunde verordnet, u. a. zur Unterstützung beim Abhusten bei verschiedenen Atemwegserkrankungen, sowie zur besseren Hautdurchblutung bei rheumatischen Beschwerden und Erkrankungen von Stütz- und Bewegungsapparat.

Alternative

Als Terpentinersatz werden verschiedene Substanzen angeboten: Die bekanntesten sind: „White Spirit“, Waschbenzin und Leichtbenzin. Sie entstehen bei der Raffinierung von Erdöl. Längst ersetzt die synthetische Substanz das Naturprodukt. Diese farblose Flüssigkeit hat einen benzinähnlichen Geruch und ist gesundheitsgefährdend. (Gefahrenklasse Xn/N/R10)
Als Inhaltsstoff befindet es sich in einer Vielzahl von Farb- und Lackerzeugnissen, meist unter der Bezeichnung „Lösungsmittelhaltiges Produkt“, weiterhin in vielen Klebstoffen, Holzschutzmitteln, Autolacken und Druckfarben und ist ein Verdünner und Lösungsmittel für Farben, Lacke, beispielsweise Alkydharzlack, nicht auf Alkohol basierender Firnis und als Pinselreiniger.

In der Farb- und Lackchemie sucht man seit Jahren erfolgreich nach neuen, umweltfreundlicheren Rezepturen, die zunehmend ohne Terpentin-Ersatzstoffen auskommen sollen.